Prinzip: Ahimsa

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Mönche im Alchadad-Tempel, Mount Abu, Rajasthan: Der Älteste und der Jüngste, es sind Vater und Sohn. Hier sind sie Brüder.

Meine Reise in die Gewaltlosigkeit – zu den Jains in Mount Abu, Indien

Ein Feature von Øle Schmidt für SWR 2

Wenn die vielen Besucher mit den letzten Sonnenstrahlen die geschichtsträchtigen Gebäude verlassen, wird es still im Jain-Tempel in Mount Abu. Die Moralregeln der zweieinhalbtausend Jahre alten Religion sind so grundsätzlich, dass ihre Anhängerschaft übersichtlich geblieben ist. Dabei ist das Prinzip Ahimsa – unbedingte Gewaltfreiheit gegenüber Menschen und Tieren ­– aktueller denn je; wenn im Namen Gottes Köpfe rollen und Kulturkämpfe geführt werden. Der Leiter des Jain-Tempels im nordindischen Rajasthan lebt Ahimsa: seine Frau zu schlagen, oder seine Mitarbeiter anzuschreien, das verbietet ihm seine Religion. »Ich meditiere viel«, sagt er lachend, »damit ich nicht mal daran denke.« Die drei Pilger aus der Metropole Mumbai ernähren ihre Familien als Architekten; gewalttätige Berufe wie Bauer, Metzger oder Waffenhändler schieden von vornherein aus. Und die kahl geschorenen Mönche, die in Mount Abu beten, essen weder Fleisch noch Fisch, um Ahimsa zu folgen: dem obersten Gebot der Jains nach Gewaltlosigkeit.