Bruder Sturm

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Der Weg ins gelobte Land ist mit Leichen gepflastert: Wandbild in der Migrantenherberge in Tenosique.

Fray Tomás riskiert viel als Leiter einer Migrantenherberge im Süden Mexikos

Ein Feature von Øle Schmidt für SWR 2 

Die einen sagen, Fray Tomás ist ein mutiger Mann. Andere finden, er ist schlicht lebensmüde. Der Franziskaner hat vor fünf Jahren die Migrantenherberge Die 72 gegründet, nach einem Massaker an 72 Migranten, das die Welt erschütterte. Und in Mexiko haben nicht nur Migranten auf ihrem Weg ins gelobte Land USA den Tod im Gepäck. Bedroht werden auch diejenigen, die den Männern, Frauen und Kindern helfen, die vor Gewalt und Armut aus ihrer lateinamerikanischen Heimat fliehen. Sie kommen ohne Papiere, mit viel Hoffnung. Tausende Kilometer legen sie auf dem Rücken des Zuges zurück, den sie La Bestia nennen, die Bestie. So wie Iris aus Honduras und Luis aus El Salvador. Sie können essen in der Migrantenherberge, duschen und endlich mal wieder durchschlafen. Fray Tomás klagt nicht, er klagt an; die korrupten Schläger der Polizei und die Mörder der Kartelle. Ohne Rücksicht zu nehmen – am wenigsten auf sich selbst. Deshalb nennen sie ihn Bruder Sturm.