Ein subversiver Lesezirkel

Der kubanische Untergrundbibliothekar Raúl riskiert viel, um seinen Landsleuten verfemte Literatur nahezubringen. Er träumt von einer offenen Gesellschaft. Eine Reportage von Øle Schmidt für WDR 5  Es ist skurril: In einem Land, dass von der UNESCO für sein gutes Schulsystem gelobt wird, und eine Analphabetenrate vorweisen kann, die nicht nur den USA gut zu Gesicht stehen würde, in diesem Land sind missliebige Bücher verboten, werden abweichende Meinungen verfolgt. Die Rede ist von dem Karibikstaat Kuba, dessen politische Kultur seit der Revolution entweder geliebt oder aber gehasst wird. Doch Druck und Verbot lassen Menschen bekanntlich kreativ werden, in Kuba haben sich unabhängige …

Ein subversiver Lesezirkel

Der kubanische Untergrundbibliothekar Raúl riskiert viel, um seinen Landsleuten verfemte Literatur nahezubringen. Er träumt von einer offenen Gesellschaft. Von Øle Schmidt »Wenn Polizisten kommen, sprichst du nicht mehr mit mir, und wechselst die Straßenseite.« Mein Informant Pablo knipst das rechte Auge zu, er möchte entspannt wirken. Wissen wir doch, dass dieser Nachmittag massive Konsequenzen haben könnte. Pablo riskiert Gefängnis. Er will mich zu einem Untergrundbibliothekar führen, einem namenlosen Bekannten, der ihn immer wieder illegal mit Lektüre versorgt, die in Kuba auf dem Index steht. Ein gefährlicher Ausflug. Zumal es Kubanern verboten ist, direkten Kontakt zu Fremden aufzunehmen. Ein verzweifelter Kampf …