Keine verschwendete Jugend

Vor zehn Jahren eroberte das Buch »Verschwende Deine Jugend« Kritikerherzen und Bestsellerlisten. Es war an der Zeit, die deutsche Geschichte von Punk und New Wave zu erzählen. Der frühere Fehlfarben-Trommler Uwe Bauer erinnert sich im Gespräch an Monarchie und Alltag in den achtziger Jahren, an überlebenswichtige Dissidenz – und an seine Begeisterung für Atomkraftwerke. Ein Interview von Øle Schmidt, Fotos von Nicole Dierolf Jungle World: Als ich 1984 zum ersten Mal Monarchie und Alltag gehört habe, ist mir der Mund offen stehen geblieben. Das war Musik von einem anderen Stern: verstörend, gleichermaßen aggressiv und depressiv. Können Sie die berühmteste Fehlfarben-Platte …

»Inzwischen sehe ich unsere kleine Revolution entspannter«

Zum siebzigsten Geburtstag: Ein Gespräch mit dem Free Jazz-Pionier Peter Brötzmann. Der Wuppertaler Saxophonist über Zorn in der Jugend und Milde im Alter, die Bedeutung von Louis Armstrong, über Peter Kowald und die Frauen. Interview von Øle Schmidt, Fotos von Nicole Dierolf Jungle World: Attila Zoller, der ungarische Jazzgitarrist hat mal gesagt: »Wenn ich Peter Brötzmann höre, habe ich das Gefühl, dass ich alles kaputt- schlagen müsste.« Peter Brötzmann: Ein Zitat von ihm aus den sechziger Jahren. Das hat er gesagt, aber Attila war ja ein freundlicher Mensch und wir sind in seinen New Yorker Tagen noch Freunde geworden. Ja, damals war’s eben …

Eine musikalische Hohepriesterin der Dunkelheit

Anne Clark gibt ein bemerkenswertes Konzert im Wuppertaler Rex-Theater Nach einem weiteren, freundlichen Applaus ist plötzlich alles anders. Anne Clark erhebt sich von ihrem Stuhl, erhöht Lautstärke und Intensität ihres sprechenden Gesanges. Murat Parlak malträtiert jetzt sein elektrisches Piano, spielt nicht mehr den Flügel. Jann Michael Engel wechselt vom akustisch verstärkten Cello zum Elektrifizierten, mit dreckigem, verzerrten Ton. Der Percussionist Niko Lai sitzt nun hinter dem Schlagzeug, gibt einen geraden, hypnotischen Beat vor. Und Gitarrist Jeff Aug schlägt die Akkorde in einem solch mörderischen Tempo an, dass jeden Metaller blass werden lässt. Katharsis. Entladung. Der Saal bebt, nicht mehr viele …