Provokateure, Schaumschläger, Meisterschüler

Nach dem kulturellen Erdbeben Kunst Cluster: Eine Suche nach Spuren und Ausblick im Wuppertaler Elba-Komplex – mit dem Schauspieler Olaf Reitz. Von Øle Schmidt »Genau das fehlt Wuppertal: Räume, in denen Künstler dauerhaft experimentieren können, sich selbst ausprobieren, ein Labor.« Olaf Reitz dreht sich in der ebenerdigen Halle um die eigene Achse, er lächelt. »Bezahlbare Räume«. Der Sprecher und Theatermacher ist nach dem NRW-Tag nicht sofort wieder ausgezogen aus den ELBA-Hallen. Mit anderen hat Reiz dort Literaturprogramme gespielt, Heine, Twain, Marquez. Auch wenn das Projekt »Kunst Cluster« in der Stadt den wohl größten Ausschlag auf der kulturellen Richterskala seit Jahren …

Seine Tageseinnahme nutzt er als Rhythmusinstrument

Fußball in Mexiko-Stadt: Atlante gegen Guadalajara 1:1, im Estadio Azteca, vor 52.000 Zuschauern Von Øle Schmidt Zuerst höre ich die Musik, dann einen krächzigen Gesang. Bedächtig arbeitet der alte Mann sich durch die vollbesetzte Metro in Mexiko-Stadt. In seiner Linken hält er einen Stock; eine große, dunkle Sonnenbrille bewahrt ihm einen Rest von Intimsphäre. Er ist Mitte sechzig, vielleicht schon Anfang siebzig. Der Kassettenrekorder, aus dem der musikalische Teppich für sein gewöhnungsbedürftiges Halb-Playback plärrt, hängt ihm um den Hals. Darüber baumeln amtliche Bestätigungen: er ist blind. Mit der rechten Hand umklammert er einen verranzten Plastikbecher, seine spärliche Tageseinahme darin nutzt …